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Testbericht zero-x software erschienen 8/95
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Testbericht Equitek E-300 erschienen 10/95
trotz recycling kein grüner Punkt: - Zero-X Sound Processing Software Vers. 1.02 Pro
Jeder Musiker, der mit Drumloops arbeitet, kennt das Problem: mit Timestretching und Pitch-shifting mühevoll zurechtgebogene Loops passsen nicht ins vorgegebene Arrangement, grooven nicht mehr oder verlieren ihre Klangfülle. Mit Zero-X, einer Software im Vertrieb der Firma Soundpool, gibt es nun auch für Atari-User ein Werkzeug, das neben umfangreicher Samplebearbeitung das "recyclen" von loops erlaubt, indem es die Instrumente des loops in einzelne Samples splittet und per MIDI Sample Dump oder SCSI an den Sampler schickt. Für den Sequenzer wird das passende MIDI-File generiert, das nun in Tempo und Groove frei variierbar ist.
Zero-X läuft auf allen Ataris und wird mit einem Dongle als Kopierschutz auf einer einzigen DD-Diskette geliefert. Da das Sample immer komplett eingelesen werden muß, sind der Größe des Samples Grenzen durch den jeweiligen RAM-Speicher gesetzt. Die Rechengeschwindigkeit und Klangkontrolle ist mit einem Falcon natürlich am besten, die Software unterstützt auch mehre SPDIF-Interfaces, wie z.B. das FDI von Steinberg. Eine Ausgabe via Interface ist allerdings nur für Stereosamples möglich, monophone müssen erst in stereo umgerechnet werden, was dann RAM-Speicher kostet. Etwas Sorge bereitete mir auch bei Signalpause das Ausschlagen des VU-Meters an meinem DAT-Recorder: hier liegt wohl eine nicht ganz beabsichtigte Gleichspannung an! Bei STE- und TT-Rechnern muß für die Audioausgabe erst eine temporäre 8bit-Kopie erstellt werden, was etwas Rechnerzeit kostet. Beim ST soll mit dem nächsten Update eine Soundausgabe möglich sein. Verarbeitet und auch gewandelt werden unterschiedlichste Audio-Dateiformate, wie z.B. Cubase .AIF, Sounddesigner .SD, PC .WAV . Hier ist die Größe der Datei nur durch die Festplattenkapazität begrenzt. Eine Sampleratenkonvertierung ist ebenso vorgesehen.
Fensterblick
Das Sample Window zeigt das Sample im Lautstärkeverlauf.
Veränderungen werden über die Pulldownmenüs oder die Toolbar
vorgenommen, eine Onlinehilfe in der rechten oberen Ecke erklärt deren
Funktion. Loop -und Blockpunkte können auch mit der Maus direkt in das
Fenster geklickt werden, weiteste Zoommöglichkeiten, eine
overview-Funktion und ein frei definierbarer Userzoom erleichtern das
editieren. Leider sind Veränderungen während des Schleifenlaufs nicht
unmittelbar zu hören, sondern erst nach stoppen und neustarten. Alle
wichtigen Bearbeitungsfeatures wie optimize, silence, get peak, digital
noisegate, fade und reverse block sind implementiert. Mit smartCut wird ein
Sampleteil oberhalb eines definierbaren Noiselevels intelligent ausgeschnitten,
Stereofiles können in Mono und umgekehrt umgerechnet werden. Im Clipboard
können einzelne Blöcke abgelegt und mit anderen gemischt werden. Aus
zwei Monosamples kann man auch ein Stereosample zusammenstellen. Mit
Datei-Split kann ein geloopter Sound in ein Programm importiert werden,
daß keine Loops unterstützt. Dabei wird das Sample bis zum Loopstart
in einer Datei, der Loop selbst in einer zweiten Datei gesichert. Gerade
für Cubase Audio User ist dies eine sehr nützliche Funktion.
Schleifenbildung
Wesentlicher Punkt einer solchen Software ist natürlich die Qualität
der Autoloop- und Crossfadefunktionen. Zero-X bietet eine Autoloopfunktion, die
den bestmöglichen Loopstartpunkt für einen vorgegebenen Endpunkt
sucht und eine Autosearchfunktion, die den besten Loop mit variablem Anfangs-
und Endpunkt ermittelt. In letzterer werden ab TOS 4.04 die besten 10 loops
festgehalten, da das Gehör oft genug anders beurteilt als die Mathematik.
Wählt man den Block, in dem gesucht werden soll nicht zu groß, ist
die Bearbeitungsgeschwindigkeit durchaus gut. Crossfades können als
Minimum- oder User Xfade gewählt werden, ersterer eliminiert sehr behutsam
leichte Klicks. Um Pegelsprünge zu vermeiden, paßt eine Gatefunktion
die Pegel eines Blocks aneinander an. Leider gibt es keine Undofunktion,
sodaß diese destruktiven Funktionen nur durch Neuladen des Samples wieder
rückgängig gemacht werden können. Die Ergebnisse sind gut,
jedoch gibt es auch hier Stereosamples, für die keine 100%ige Lösung
gefunden wird.
Splitting Image
Nicht nur für Drumloops, sondern auch für Gitarren-, Bläser- und
andere Licks bietet der DrumSplit raffinierte Möglichkeiten. Der
Autodrumloop findet nach vorher bestimmtem Loopstart in einem markierten Block
das geeignete Loopende. Das Tempo des Loops kann mit drei Stellen Genauigkeit
ausgerechnet und zur Bestimmung des Loopendes herangezogen werden. Mit dem
Befehl split Drums wird die Loop in einzelne Instrumente zerlegt, noise-, gate-
und ResponseLevel, aber auch Taktart und Anzahl der Looptakte werden im
Menü Split settings vorher festgelegt. Natürlich muß das
Audiomaterial so beschaffen sein, daß diese Funktion Sinn macht: von
einem all zu dicht gewebten Percussionsteppich sollte man lieber die Finger
lassen. Um die einzelnen Instrumente nun von einem Sequenzer spielen zu lassen,
kann mit create Midifile ein solches generiert werden, die Noten werden von C2
aufwärts festgelegt. Je nach Material und geeigneter Einstellung der split
settings werden gute Schnitte der einzelnen Drumsounds erzielt, gegebenenfalls
können die Start- und Endpunkte manuell editiert werden, Splitpunkte
hinzugefügt oder gelöscht werden. Diese Funktion arbeitet
nichtdestruktiv, kann also beliebig oft wiederholt werden, ohne die Loop neu
laden zu müssen. Leider können nur Monoloops gesplittet werden, mit
dem Befehl save drums werden sie als einzelne Samples gesichert und stehen nach
Neuladen nun einzeln zum bearbeiten zur Verfügung. Allerdings hat man dann
nur die Möglichkeit, sie einzeln an den Sampler zu übertragen.
SCSI-Autobahn oder MIDI-Pfad
Im Transfer-Window steht die SCSI- oder MIDI-Schnittstelle als
Datenübertragung zur Auswahl. Alle Sampler, die dem MIDI-Sample Dump
Standard entsprechen, sollten mit Zero-X komunizieren können. Wesentlich
eleganter und vor allem schneller ist die bertragung per SCSI. Bisher
wird das SCSI Musical Data Interchange Format unterstützt, das von Peavey
und Kurzweil verstanden wird, an der Einbindung von allen gebräuchlichen
Samplern wird gearbeitet. Wie üblich ist auf richtige Terminierung und
Adressierung der SCSI-Schnittstellen zu achten. Auch 12bit-Samples können
eingelesen werden, sie werden in Echtzeit auf 16bit konvertiert, da Zero-X
intern nur mit dieser Auflösung arbeiten kann. Der Austausch von Samples
per MIDI-Dump klappte mit dem im Test verwendeten Roland S750 in beiden
Richtungen nur eingeschränkt, kurze Samples verweigerte er mit der Meldung
Dump Adress Error, längere nahm er dagegen ohne Murren. So konnte die
magische Funktion "send all splitted drums" erst mit einem
freundlicherweise von der Frankfurter Firma PA-Sound zur Verfügung
gestellten Akai S3000 erfolgreich getestet werden. Etwas Erfahrung braucht das
Zerlegen von Loops auf jeden Fall, ruckzuck hat man eine lang nachschwingende
Kick oder einen snare-Hall zerstückelt, was mit einem Delayeffekt bestraft
wird. Mit der Funktion delete oder insert drumsplit sind Veränderungen
sehr schnell auszuführen, die Schnitte sitzen fast immer automatisch
richtig. Die Rechenzeit ist gerade bei diesen Funktionen richtig schnell.
Weniger schön für Falcon-User ist die Tatsache, daß es keinen
Key-Expander für den ROM-Port gibt. So heißt es jedesmal beim
Wechsel von Zero-X zum Sequenzer(wenn er auch einen Dongle hat) Rechner
ausschalten, Dongle wechseln und neu booten. Da hilft auch das schönste
Multi-TOS nichts!
Aussichten
In den nächsten Updates sind neben der Einbindung aller
gebräuchlichen Sampler einige interessante Neuerungen vorgesehen, wie
resampling mit neuer Tonhöhe und Geschwindigkeit, Aufzeichnen von Samples
via SPDIF-Interface, ASCI-Support, MIDIfile-Player, Sampleratenkonvertierung
auch in Stereo und Bearbeitung von Samples, die größer als der
RAM-Speicher sind. Fazit Mit Zero-X hat der Atari-User endlich ein Werkzeug in
der Hand, daß neben der klassischen Samplebearbeitung das kreative
Zerlegen von Loops jeglicher Art ermöglicht. Der künstlerischen
Freiheit Loops zu beschleunigen, zu quantisieren und variieren stehen nun neue
Möglichkeiten offen. Schon in der ersten Version besticht das Programm
durch seine Geschwindigkeit und Absturzsicherheit. Kleine Schönheitsfehler
und die nicht immer einwandfrei funktionierende Kommunikation per SCSI oder
MIDI sollten im nächsten Update im Sommer behoben sein.